AC Zlokovic, Bijela, Bucht von Kotor

Mittwoch, 23. August 17. Fahrt in die wunderschöne Bucht von Kotor nach Bijela, Camping  Zlokovic,  95 km.

Wir verlassen das derzeit touristische Ulcinj gerne. Es ist wieder sehr diesig heute, Meer und Himmel im gleichen Hellgrau-Blau-Ton und kaum voneinander zu unterscheiden. Es geht durch Dörfer, die fast nur aus Hotels und Pensionen bestehen und keinen Strand bieten. Oft sieht man Schilder mit der Aufschrift EU. Zur Hafenstadt Bar fährt man nur eine gute halbe Stunde – von hier gehen Fähren nach Bari oder Ancona. Eine gute halbe Stunde Stau durch Bar, viele Frauen in der Stadt tragen hier lediglich Bikini. Bei dichtem Verkehr brauchen wir fast drei Stunden für 90 km.

Fähre Lepetane

Die Fähre braucht keine 10 Minuten für die Überfahrt nach Kamenari und wir sparen uns bestimmt eine Stunde Fahrt rund um die Bucht. Da wir die wunderschöne Strecke schon mit  Auto und Fahrrad abgefahren sind, dürfen wir heute abkürzen. Zwei Kilometer nach der Fähre sind wir schon in Bijela und am heutigen Ziel.

Camping Zlokovic

Der Platz ist nach hinten und vorne offen und so fahren wir einfach rein, wollen uns anmelden und suchen den sehr freundlichen und unkomplizierten  Besitzer vom letzten Jahr. Die Rezeption ist verwaist und ein sympathischer Camper aus Polen rät uns, im benachbarten Restaurant zu suchen. Hier erwartet uns die erste Überraschung: die gemütliche „Ess-Bar“ vom Sommer 2016 gibt es nicht mehr; stattdessen brandneu ein schickes Edel-Restaurant Bura mit überhöhten Preisen.

Es hat sich aber noch mehr verändert: der Sohn ist neuer Chef, die Enkelin sitzt in der Rezeption. Die Preise für unseren Stellplatz haben sich gegenüber dem letztem Jahr um 6 Euro auf fast 30 Euro erhöht. Autos müssen oben an der Straße parken und werden in drei Preiskategorien eingeteilt. Unser Jeep kostet 6 Euro extra. Der Umbau des Restaurants soll wohl schnell wieder hereinkommen.

Vieles ist jedoch auch geblieben: am Platz stehen einige alte, ausrangierte Wohnwagen, die was etwas vergammelt wirken und vor einem sitzt das Personal aus dem edlen Restaurant in der Pause am schrottigen Tisch.

Waschhaus Zlokovic

Die drei Damenduschen am Platz sind renovierungsbedürftig. Zwei Duschzellen sind ohne Absperrung, wobei die Tür weit offen stehen bleibt, die dritte lässt sich zusperren, aber das Wasser spritzt nach vorne zur Decke. Da will ich nicht bleiben, aber jetzt geht die Verriegelung nicht mehr auf …. keiner hört mein Klopfen und Rufen. Die Tür ist verbogen und alles Geradedrücken hilft nichts. Erst als ich auf die Idee komme, die Tür noch mehr zu verziehen, gelingt es mir endlich, den Knopf aufzudrehen.

Die  Geschirrspülbecken sind gleichzeitig der Waschraum für Damen und nach außen völlig offen, keinerlei Sichtschutz. Bei den Männer ist es wohl besser.

Es gibt bei Damen weder WC-Papier noch Seife noch Trockentücher. Die Sauberkeit ist in Ordnung, da gibt es nichts zu meckern. Gewaschen habe ich mich hinten im Becken für die Wäsche, das war ganz idyllisch – von Efeu umrankt!

Unser Stellplatz am Camp Zlokovic ist eigentlich gut, mit freier Sicht auf die Bucht. Spät abends bekommen wir einen neuen Nachbarn und als ich morgens aus dem Fenster blicke, sehe ich nur noch Rot.

Abends wird der Kompressor vom angrenzenden Lokal schrecklich laut, so dass man sich kaum unterhalten kann. Da sitzen wir nun zwischen Kompressor und rotem Feuerwehrauto und merken nichts von der Idylle. Das Internet ist auch zusammengebrochen, weil die meisten Camper in Ihren Wohnwagen sitzen und über Internet Fernsehn schauen.

Das Positive

Gleich über die schmale und wenig befahrene Uferstraße kommt man zum Strand. Das Wasser ist erstaunlich sauber und gut zum Schwimmen. Die Motorboote fahren sehr weit draußen. Supermärkte und alles Notwendige in Bijela ist bequem zu Fuß erreichbar. Mit dem Fahrrad kann man gut auf der Strandpromenade radeln bis fast nach Herceg Novi. Um die Ecke gibt es eine gute Auswahl von Restaurants und Strandcafés, meist direkt am Ufer mit Blick auf die wunderschöne, fjordartige Bucht  von Kotor.

Donnerstag, 24. August 17. 

Kleiner Spaziergang am Meer. In Bijela wohnen auch noch Einheimische und so ergibt sich eine gesunde Mischung. Jedoch ergattern zunehmend Investoren die letzten freien Fleckchen und wollen das schnelle Geld.  Man baut wuchtige, mehrstöckige Hotels, legt  künstliche  Strände an mit hypermodernen Strandkörben und bietet an, was ein xy-Tourist begehren könnte. Manchmal ist es für mich schmerzhaft zu sehen, wie riesige Betonanlagen die zauberhafte Landschaft verschandeln.

Freitag, 25. August 17. 

Noch ein Tag mit Nichtstun in der Bucht von Kotor. Ich suche wieder Abkühlung im Meer, Frank in der neuen Bar. Abends im Restaurant Tron gibt uns der Ober wieder den reservierten Tisch direkt am Fjord frei und wir genießen die wunderschöne Landschaft, beobachten Luxus-Kreuzschiffe und Jachten. Blau glitzert die Adria eingesäumt von steilen Berghängen.  Ringsum gehen die Lichter an in den vielen Dörfern, wie glänzende Perlen an einer Schnur gereiht. Hier ist wohl einer der schönsten Flecken auf der Erde.

Zwei Dickschädel

Samstag, 26.August 17 – abends. Ein Bus will auf der schmalen Uferstraße vorbeifahren und Gäste zu einem Hotel weiter hinten bringen, aber ein Auto mit Münchener Kennzeichen versperrt die Durchfahrt. Mit laufendem Motor steckt der Bus vor unserem Campingplatz fest. Eine Camping-Nachbarin aus Leipzig, die sonst nie kommuniziert hat, spricht mich verzweifelt an, ich solle dem Busfahrer sagen, er möge endlich den Motor ausmachen; sie wollen im Lokal am Platz essen und wegen der Abgase sei das nicht möglich. Frank dolmetscht. Kurz drauf macht der Busfahrer aber den Motor wieder an, fährt nach hinten und prallt fast auf ein Auto, das dicht hintendran klebt. Dann fährt er wieder vorwärts, denn er möchte nach hinten ausscheren – und sofort rückt die nachfolgende Auto-Schlange nach und klebt am Heck. Stillstand. Nach fast einer Stunde kommt für viele Schaulustige endlich die Auflösung: die Bediensteten des Hotels kommen und holen die Koffer der neuen Gäste, die Insassen müssen laufen, der leere Bus findet endlich rückwärts über eine Seitenstraße raus aus dem Nadelöhr.

Das falsch geparkte Auto hatte nur ein Münchener Kennzeichen, der Fahrer kam ganz wo anders her.

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