Blue Eye und Antigonea

Blue Eye – Attraktion für Touristen

18. 08. 16. Heute folgen wir einem absoluten Reisetipp und besuchen das Blue Eye. Hierbei zeigt sich wieder einmal der Vorteil beim Verreisen mit dem Gespann: man lässt den Wohnwagen einfach stehen und begibt sich mit dem Auto auf Exkursion. Das erkennt auch Stephan, der mit seinem riesigen Wohnmobil-LKW momentan nicht einmal aus dem Camp fahren könnte, geschweige denn einen Parkplatz bei Sehenswürdigkeiten bekäme. Unsere Einladung, mit uns mitzufahren, nimmt er gerne an – jedoch auch für Lara, eine blonde Labrador-Dame, sehr sanftmütig, zutraulich und nett.
Ohne Landkarte und Adresse machen wir uns auf die Fahrt Richtung Saranda. Die Passstraße scheint kein Ende zu nehmen und nach gefühlt 2 Stunden sehen wir endlich massenhaft Autos in ein Tal einbiegen. Wir folgen der Informationstafel und eine enge, staubige Schotterpiste führt zur 4 km entfernten Blue Eye Quelle. Gleich anfangs am Staudamm ist ein kleines Häuschen und der Eintritt von 200 Lek wird abkassiert. In der Tat wird diese Karstquelle gerne von Touristen aufgesucht. Bei ca. 40 Grad Mittagshitze stauen wir auf einem riesigen Parkgelände, weil die Wärter keinerlei Verständigung miteinander haben. Einer winkt die Autos rauf, einer runter, keiner weiß Bescheid und so staut sich alles. Nach einer Dreiviertelstunde finden wir endlich eine Lücke.

Auf in den Rummel. Zwei Restaurants, Souvenirläden, ein Bach mit schmalen Brücken in urwaldähnlicher Natur und massenhaft Menschen. Nach 100 Metern endet der Fußweg. Einzig Lara ist völlig begeistert: endlich Wasser hier im Landesinneren, und sie springt sofort rein und säuft und säuft. Am Ende des Weges führt ein kleiner Pfad nach oben zu einer Aussichtsplattform. Von hier sieht man auch die tiefblaue Quelle und versteht, warum der Platz „Blaues Auge“ heißt. Dutzende Männer springen von hier oben in das 12 Grad kalte Wasser, obwohl überall große Verbotsschilder rumstehen. Angeblich sind Taucher 50 Meter tief in den Pool hinabgetaucht aber es ist noch nicht sicher, wie tief das Karstloch wirklich ist.

Fazit: Die ursprüngliche Natur ist faszinierend und ein wohltuender Gegensatz zu den karstigen Bergen in der Sommerhitze.  Aber nach wenigen Minuten hat man den Ort abgelaufen und ich meine, hierher kommt man besser nicht in der Hauptsaison!

Die Rückfahrt geht schnell und so haben wir noch Zeit, eine Ausgrabungsstätte auf einem Hügel in der Nähe von Gjirokastra zu besichtigen.

Antigonea Archäologiepark

Die antike Stadt wurde 300 v. Chr. von König Pyrrus gegründet und zu Ehren seiner Frau Antigone so benannt. Der Stadtstaat war ein bedeutendes Zentrum in der Antike, jedoch sehr kurzlebig. Bereits nach 150 Jahren wurde die Stadt von den Römern völlig zerstört und alle Einwohner versklavt.

Die 15 km ziehen sich auf asphaltierter Straße beständig nach oben auf 600 Meter Höhe  durch eine eindrucksvolle Landschaft und einige Dörfer. Um 16 Uhr soll die Ausgrabungsstätte schließen, das wird knapp. Oben ein sehr großer, asphaltierter Parkplatz mit markierten Stell-Plätzen. Kein Mensch weit und breit. Doch da kommt der Platzwart, kassiert 3 mal 200 LEK und macht danach sofort Feierabend. Die anfängliche Erleichterung weicht der Erkenntnis: wären wir einen Augenblick später gekommen hätten wir das Eintrittsgeld gespart und wären genauso in den Park gekommen. Nun ja, ist hoffentlich für einen guten Zweck!

Erst 1970  hat man mit den Ausgrabungen angefangen. Wir sehen einige Ruinenstücke der Stadtmauer, Reste der Akropolis und Teile von antiken Säulen. Die Schautafeln sind zahlreich im Gelände verteilt und auch in Englisch beschriftet. Aber so recht kann ich mir kein Bild machen, von der damaligen Stätte im großräumigen Gelände. Landschaft und Rundumblick sind recht attraktiv. Das einzig was ich richtig zuordnen kann ist das Nymphaneum, das Nymphenbad.  Laura findet es auch, springt rein, suhlt sich begeistert im Schlamm des kleinen Tümpels und will auch auf scharfe Worte nicht wieder herauskommen. Und schon sind wir am Auto mit dem nassen, durchgesudelten Hund. Noch ein halbes Jahr später kämpft Frank mit den Hundehaaren, die nicht einmal der  Staubsauger wegbringt.

Der Rückweg zum Campingplatz zeigt uns mal wieder, dass Konzentration auf den Straßen angebracht ist. Man weiß in Albanien nie, was auf der Fahrbahn los ist. Oft kommt hinter einer unübersichtlichen Kurve eine Überraschung wie herrenlose Ziegenherden, oder eine Kuh liegt auf der Straße oder die Fahrbahn ist teilweise weggebrochen oder zugeschüttet.

Abschiedsabend

Das faszinierendste und nachhaltigste Erlebnis an diesem Platz hier waren die Menschen. Heute kam eine Journalistin mit Familie dazu, deren beide Mädels jede Nacht im Freien schlafen, auf einfachen Campingliegen. Unter folgendem Link findet man Essays von Helga, die ich wirklich sehr empfehlen kann. Bei dieser kreativen, lebendigen Wortgewalt fühle ich mich mit meinen bescheidenen Worten ziemlich klein. Jeder gibt eben, was er kann. Und dann durften wir „Stephan mit ph“ kennen lernen. Heidschnuckenschäfer, Weltenbummler und der kommunikativste Mensch 2016. Ich glaube von ihm kommt das Platzgebot: jeder, der neu ankommt, gibt eine Karaffe Wein aus und man setzt sich täglich abends zusammen. Stephan schreibt auch an einem Reiseblog Hof Schwarzes Moor mit Big Blue, den ich begeistert lese. Vielleicht war das der Grundstein zu meinem Tagebuch und hat die Wahl des WordPress Themes „Dyad“ beeinflusst?

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