Ura e Mesit – Rozafa

12. August 16. Sobald wir an einem neuen Ort angekommen sind, macht sich mein Ehemann mit dem Fahrrad auf Entdeckungstour. Er schaut immer erst, ob der Weg gut und ohne Gefahren für mich ist und dann fahren wir die Strecke gemeinsam – ich habe da schon sehr viel Glück gehabt mit Frank, er ist ein Goldschatz. Die nette Mannschaft in der Rezeption empfiehlt eine Fahrt zu einer antiken Brücke, teilt eine Skizze mit Wegpunkten aus. Frank kommt nach 3 Stunden zurück in siedender Hitze über mehrspurige Autostraßen mit Dutzenden von Kreisverkehren ohne Beschilderung. Also versuchen wir nachmittags mit Auto und Routenplaner diese Sehenswürdigkeit zu besichtigen.

In der Rezeption erhielt man Kopien von angeblich tollen Radtouren zu den Highlights der Umgebung. Allerdings waren diese Handskizzen eher künstlerisch als informativ. Die Wege führten weg vom See in Richtung des Gebirgszuges durch eine Reihe kleinster Ortschaften. Von geteerten Schlaglochpisten über Grobkies bis zu ausgefahrenen Feldwegen war alles dabei – und staubig waren sie alle. Das Problem waren die vielen Abzweigungen und Kreuzungen. Hinweisschilder fehlten völlig, man musste nach Himmelsrichtung oder Gefühl fahren. Wobei man mit Sicherheit in einer Sackgasse vor einem Gehöft mit kläffenden Kötern landete. Die alte Eisenbahnlinie half dann doch bei der Orientierung, denn die führte in die Außenbezirke von Shkodra. Radfahren in dieser Stadt macht nicht wirklich Spass. Vor allem die häufig fehlenden Kanaldeckel oder andere ungesicherte Löcher in der Straße können zu einem Problem werden. Polizisten nach dem Weg zu fragen, machte auch keinen Sinn. Entweder sie verstanden nichts oder sie wussten es nicht. Trotz allem – eine interessante Tour (Anm. d. Ehem.)

Ura e Mesit oder Die Brücke von Mes

Doch auch der Routenplaner hat anscheinend Schwierigkeiten. Am Ziel sehen wir nur eine unschöne Betonbrücke und weiter hinten eine hässliche Industrieruine. Da fährt ein voll besetztes Taxi vor und die Insassen steigen aus. Der Taxifahrer müsste sich doch auskennen. Alle schauen mich mit großen Augen an – ist mein Englisch heute so unverständlich? … bis die Leute irgendwann in großes Gelächter ausbrechen und mit dem Arm nach hinten deuten. Jetzt muss ich mitlachen – wir stehen genau vor dem Baudenkmal und die vorgebaute Betonbrücke hatte nur die Sicht versperrt.

Die Ura e Mesit ist eine ottomanische Bogenbrücke, die vermutlich im 18. Jahrhundert erbaut wurde. Die Brücke überquert den Fluss Kir, der hier in den Bergen entspringt und  zur Küstenebene rund um Shkodra fließt, aber momentan kein Wasser führt. Aufgrund ihrer Länge von über 100 Metern gilt sie als bedeutendste und am besten erhaltene Steinbrücke aus der Türkenzeit. Früher verlief hier eine alte Handelsroute durch die Berge ins Kosovo.

Über die Bauweise wundere ich mich etwas, denn am Scheitelpunkt wechselt sie die Richtung und kommt am anderen Ufer nicht mehr in einem rechten Winkel an, sondern schräg.
Touristische Einkehrmöglichkeiten gibt es hier nicht und so fahren wir 7 km weiter nach Shkodra, der fünftgrößten Stadt von Albanien mit ca. 150 000 Einwohnern.

Kein Wunder, dass ich das alte Teil nicht finden konnte – so versteckt, wie die Brücke lag. Mindestens zweimal war ich dran vorbeigetrampelt. Aber meine Irrfahrt durch die Stadt erwies sich jetzt bei der Fahrt mit dem Auto von Vorteil. Ein paar markante Ecken hatte ich mir merken können, was wiederum die Orientierung ungemein erleichterte. Die Wegweiser in der Stadt waren nicht sehr hilfreich bzw. fehlten einfach. (Anm. d. Ehem.)

Rozafa

Der antike Teil der Stadt liegt hauptsächlich auf dem Burghügel Rozafa und den besteigen wir jetzt bei glühender Hitze. Wunderschöne Ausblicke auf die Flusslandschaften von Kir im Osten, Drin im Süden und Buna im Westen. Im Norden öffnet sich die weite Ebene und die Sümpfe des Skutarisees hinter dem modernen Teil von Shkodra.

Von der Burg Rozafa, die im 3. Jahrhundert vor Christus erbaut wurde, stehen hauptsächlich nur noch Ruinen und ein kleines Museum mit illyrischen Münzen und osmanischen Waffen.  Die Befestigungsmauer ist noch gut erhalten und einige Touristen klettern darauf mutig herum und knipsen Selfies.

Die Lage der Stadt war strategisch sehr bedeutsam, denn alle Handelsrouten mussten diese Engstelle  passieren. So kam die Stadt einerseits zu Reichtum, andererseits wurde sie oft von Eroberern eingenommen.

Skutarisee Westseite

Anschließend fahren wir noch unterhalb der Burg über die Buna-Brücke an die Westseite des Shkodra-Sees. Die Ufer sind an vielen Stellen nicht zugänglich, weil auch der Wasserspiegel schwankt. Der Reiseführer spricht von zwei hübsch gelegenen Dörfern Shiroka und Zogaj.

Dort soll man Ruhe und Erholung genießen können, auch gute Restaurants und Bademöglichkeiten vorfinden, aber wir finden keinen geeigneten Parkplatz und lassen den Tag im Restaurant im Camp bei Sonnenuntergang ausklingen.

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