Nordküste Bulgarien

Sa., 11. Mai 19. Von Berca aus geht’s  jetzt 350 km nach Osten an die Nordküste Bulgariens. Nach Berca hat die Straße eine zusätzliche Spur für Pferdefuhrwerke mit Nummernschildern. Wieder kommt eine Ortschaft nach der anderen, aber diesmal  sind zwischen den Häuschen nicht Mauern, sondern mannshohe Zäune, jeder anders in Form und Farbe. Durch richtig arme Gegenden kommen wir, zerfallene Hütten mit Fenstern aus Plastikfolie oder Bauabfällen zusammengeflickt. Die Straße ist eine einzige Rüttelpiste. Hoffentlich halten die Schränke im Wohnwagen. Frank hat eher Angst, dass das Bier sauer wird. Am Straßenrand sieht man zwischen den Feldern alte Schöpfbrunnen. So ein Eimer reicht etwa 6 Meter in die Tiefe, wenn man den Balken senkt.

Um 11 Uhr sind wir in Slobozia. Die Straße ist gut, die Stimmung wird besser. Nach 3 Tagen ohne Stuhlgang sind wir aufgebläht, denn auf die stinkenden Hock-Klos bei den Schlammvulkanen konnte keiner gehen. Nach einer halben Stunde kommt tatsächlich eine Autobahn mit sehr schönem, gepflegten Toilettenhäuschen und wohlriechender Seife. Meist sind es die ganz kleinen Dinge im Leben, die es erleichtern können.        Oder, wo man sich erleichtern kann! (Anm. d. Ehem.)

12:30 fahren wir über die Donaubrücket (13 Lei ). Schön, die neue Autobahn. Heute folge ich dem Tipp meiner Tochter und lasse am Handy den Routenplaner von Google Maps laufen. Funktioniert super, danke Töchterlein. Endlich kommen wir ohne große Umwege stressfrei direkt an. Warum bin ich da bloß vorher nicht draufgekommen? Macht der Gewohnheit.

Um 14:20 erreichen wir die Grenze zu Bulgarien. Obwohl nur zwei PKW’s vor uns sind, dauert das Kontrollieren der Papiere fast eine halbe Stunde. Wilde Hunde erbetteln etwas zum Fressen. Die Vignette gibt es hier aus einem Automaten. Die Daten muss man selbst eingeben und mit EC-Karte bezahlen. Sie gilt 1 Monat und kostet ca. 15 Euro.

Der Fortschritt hat auch in Bulgarien Einzug gehalten. Vor ein paar Jahren noch stellte man sich an einem kleinem Fensterchen direkt am Grenzgebäude an und erhielt, nach kurzer Wartezeit und gegen Bargeld, die begehrte Plakette. Jetzt ist man moderner aufgestellt. Das Fenster gibt´s nicht mehr. Dafür steht nun eine Art Telefonhäuschen mit einem Superautomaten auf bulgarischer Seite. Die Kiste versteht mindestens 10 Sprachen und nimmt Kredit- und Bankkarten an. Leider kein Bares! Und – es steht auf der bulgarischen Seite! Also, erst Grenzkontrolle ( 30 min ), dann Grenzübertritt und erst dann Maut. Während der Passkontrolle ist ein Überschreiten der Grenze nicht erlaubt. Ist schon fortschrittlich, weil nach SlowFood kommt jetzt auch noch SlowFrontierPassing. (Anm. d. Ehem.)

Camping Laguna

Kurz nach 17 Uhr kommen wir an. Ein netter junger Mann empfängt uns freundlich, empfiehlt einen Platz, eher oben, und bittet darum, den ersten Tag gleich zu bezahlen. Wir stellen den Caravan so, dass er eine schöne, abgeschlossene Terrasse zum Meer bildet. Ich höre das Meer rauschen und spüre, wie sehr mir das gefehlt hat. Ein schöner Campingplatz mit vielen urwüchsigen Pflanzen und liebevollen Details, terrassiert zum Meer hin mit ca. 12 Plätzen. Unten stehen einige Ferienhäuschen und ein neues Appartementhaus direkt am Meer entsteht gerade. Viel Grund und Gelände zu pflegen. Die Wege sind derzeit von Unwettern etwas mitgenommen und Bedienstete schieben mit uralten Schubkarren Sand nach oben, um die Plätze wieder plan zu kriegen.

Waschhaus und sonstige Details

Der Platz gefällt mir sehr gut. Liebevolle Details, viel Grün und Blumen. Die beiden Waschhäuschen sind klein, aber sehr sauber und zweckmäßig.

Restaurant am Meer

Abends im Restaurant sind wir die einzigen Gäste und werden sehr freundlich empfangen; die uns gereichte Speisekarte ist rein auf Deutsch. Das Warmluftgebläse wird eingeschaltet und macht‘s gemütlicher, wenn auch etwas laut. Das Essen ist hervorragend, das Ambiente leicht kitschig, aber schön und gepflegt.

So., 12. Mai 19. Endlich scheint die Sonne, herrliche Ruhe im Halbschatten großer Eichen, und das Meer rauscht. Wir sitzen beim Kaffee und schauen den Raupen zu, die an Fäden in der Luft schaukeln und versuchen, wieder zur alten Eiche nach oben zu klettern. Die meisten sind aber zu vollgefressen und daher schwer. Anfangs fanden wir das ja ganz beschaulich. Doch, wenn man die Raupen auf dem Kopf oder im Dekolleté krabbeln spürt, ist das nicht mehr so lustig. Das Vordach erweist sich hier als dringend notwendig. Das Knistern am Dach ist kein Regen, sondern wahrscheinlich Raupenkacke.

Am Muttertag geht’s mir ganz besonders gut und ich bin dankbar und glücklich. Es gibt WhatsApp und Videoanruf und so kommen meine drei Kinder mit Glückwünschen ganz nahe. Dazu scheint auch wieder die Sonne und ich höre das Meer rauschen. Außerdem bin ich frisch geduscht!

Ausflug Kap Kaliakra

Albena ist der nächste Ort und den wollen wir uns ansehen. Wir folgen dem Wegweiser im Kreisverkehr. Die Straße teilt sich in 3 Spuren und alle sind mit Pfeilen geradeaus gekennzeichnet und alle landen vor einer Schranke??? Muss ich hier bezahlen und warum und für was und wie komm ich da wieder raus? 200 Meter rückwärtsfahren bis zum Kreisel geht, wenn keiner kommt. Später google ich nach: „Der Badeort Albena kann nur über einen bewachten Ein- und Ausgang mit Schranken betreten werden.“ Albena ist als reine Touristenstadt gebaut worden. Vor was die Schranken schützen sollen, habe ich noch nicht herausfinden können.

Kap Kaliakra

zählt zu den Top-Sehenswürdigkeiten von Bulgarien, mit ca. 70 Meter hohen, rötlichen Felsen. Seit der Antike befand sich hier eine strategisch wichtige Festung unter wechselnder Herrschaft (byzantinisch, römisch, russisch, türkisch, rumänisch usw.). Erst seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges gehört es wieder zu Bulgarien und wurde von der Sowjetunion genutzt. Die Sendeanlage für Mittelwellenrundfunk brachte nicht den gewünschten Erfolg.

Der Strand am Camp

Mo., 13. Mai 19. Heute lieber mal Autofrei und ein wenig Bewegung. Vom Camp aus am Strand entlang kommt zunächst ein Nacktbadestrand – heute nur Männer – und gleich danach der bekannte Goldstrand.

Goldstrand

Es ist für uns äußerst interessant, diesen Rummelplatz in der Vorsaison zu erleben. Den Ferienort gibt es seit den 50-er Jahren und er war damals vor allem bei DDR-Bürgern sehr beliebt. Der Sandstrand ist 3,5 km lang und an manchen Stellen bis zu 100 m breit. Über 70 große Hotels, Supermärkte (z.B. Aldi, Spar, Lidl, Penny, Kaufland) Läden, Restaurants und Wochenmarkt und reihen sich nahtlos aneinander. Die größte Partymeile Bulgariens, ein neuer Ballermann. Bierkönig, Partystadl, Megapark usw. Schon jetzt haben vereinzelt Restaurants ihre Diskomusik laut laufen und einer übertönt den anderen. In der Hauptsaison würde ich es hier nicht aushalten. Mit Fotos konnte ich den Gesamteindruck hier nicht recht verdeutlichen. Für ein Bier und ein Wasser zahlen wir 7 Euro. Total überteuert hier, schrill und laut.

Sympathisch ist uns Restaurant Magdalena, nächstgelegen am Campingplatz. Die Küche soll hervorragend sein und das Bier für 1 Euro sogar besser, sagen unsere Campingnachbarn, die dort ihren deutschen Stammtisch pflegen. Als ehemalige Weltenbummler sind sie vor 7 Jahren zufällig auf Camping Laguna gestoßen und sind nun jedes Jahr von April bis September an diesem Platz. Sie schlafen im stillgelegten Campingmobil, ein Festanbau als Wohnraum, Auto bleibt hier, weil es in Deutschland nicht mehr fahren dürfte.

Morgen geht’s weiter am Schwarzen Meer entlang in den Süden. Bezahlt haben wir schon. Ein Angestellter besuchte uns kurz nach 11 Uhr am Caravan und bat darum, die noch ausstehenden Tage doch bitte gleich zu bezahlen.  Ist schon in Ordnung, so ein großes Grundstück zu unterhalten ist bestimmt nicht einfach. Wir wünschen dem Team viel Erfolg, denn es ist ein wirklich schöner Campingplatz.

 

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