Iseo – Abruptes Urlaubsende

Letzter Urlaubstag in Iseo

Do. 20. April 2017. Wir kommen spät aus den Federn – jeder wartet darauf, dass der andere wach wird. Frank fährt nach dem Kaffeetrinken auf Erkundungstour nach Iseo und kommt ganz begeistert zurück. Ich bin irgendwie noch nicht bereit zum Radfahren. Auch will ich meine Bluse noch einmal waschen, um sie bei der Taufe anziehen zu können, denn fürs Dirndl ist es mir eindeutig zu kalt. Die Riesengarnelen hatten ja die Bluse versaut und nach dem 3. mal Waschen sieht man immer noch Flecken, sobald sie abgetrocknet ist. Eigentlich will ich heute lieber nach Iseo zu Fuß gehen, lasse mich dann aber überzeugen, dass der Weg langweilig ist. Frank hat recht. Ein super Radweg, breit genug für 3 Räder nebeneinander, geht direkt vom Camp ab. Iseo ist ein hübsches Städtchen  mit kleinem Hafen, palmengesäumter Seepromenade, vielen Restaurants, Cafes und stimmungsvollen Plätze in der malerischen Altstadt.

Nach einem Cappuccino am Hauptplatz sind wir nach ca. 10 Min. mit dem Rad wieder zurück am Campingplatz.

Die Schranke, die einiges verändert

Normalerweise ist die Schranke geschlossen und man schiebt das Rad rechts über einen Holzsteg vorbei. Ich bin schon beim Abbremsen, da ruft Frank: „Schnell, schnell, die Schranke ist offen.“ Gehorsam folge ich der Aufforderung und gebe Gas – da sehe ich, dass die Schranke runtergeht, Frank den Kopf einzieht und gerade noch durchkommt. Also schnell abbremsen! In diesem Moment geht die Schranke wieder hoch. Ich denke noch kurz, wenn jemand in der Rezeption extra wegen mir die Schranke wieder hochzieht, dann muss ich doch jetzt auch das Angebot annehmen und durchfahren … und trete mit voller Kraft in die Pedale. Dann geht alles blitzschnell. Der Weg ist leicht abschüssig und dick bekiest. Voll im kraftvollen Treten stürze ich gewaltig auf die linke Seite, das Rad liegt auf mir. Sofort kommt Luca aus der Rezeption und hilft mir aufzustehen. Arm und Bein abwinkeln geht. Ich klopfe den gröbsten Dreck ab und schiebe, aufgestützt auf mein Rad, die ca. 200 m zum Stellplatz weiter. Frank fragt noch, warum ich nicht fahre. Meine Knie schlottern.

Am Wohnwagen angekommen,kann ich nicht mehr auftreten, keinen Schritt mehr gehen. Handballen und Ellbogen sind nicht so schlimm – hatte dicke Handschuhe an und drei Jacken übereinander – aber mit dem Oberschenkel stimmt was nicht. Auftreten verursacht höllische Schmerzen. Nach 4 Std. wird es noch immer nicht besser. Frank besorgt für uns Pizza. Anstatt der bestellten Pizza vegetaria mit gegrilltem Gemüse kommt Pizza 4 Käse. Na ja, ist wohl auch vegetarisch, aber die war schon immer die letzte, die ich bestellt hätte. Frank ist lieb und tauscht mit mir. Die Schmerzen nehmen zu. Frank bittet Luca, mich ins Krankenhaus zu bringen. Als Luca sieht, dass ich keinen Schritt gehen kann, ruft er ambulanza.

Pronto Soccorso

Der Sanka kommt mit Sirene und Martinshorn. 4 Mann springen aus dem Krankenwagen. Das Programm einer Notversorgung läuft durch –Blutdruck, Puls, Kopf, usw ., nur die jüngste Praktikantin spricht etwas Englisch. Mit der Bahre transportieren sie mich in den Wagen und laden mich im Hospital wieder ab. Glücklicherweise sind abends um halb neun noch Ärzte da. Verdacht auf Oberschenkelhalsbruch. Die Kanüle für die Darmreinigung wird schon vor den Röntgenaufnahmen gelegt. Auf der Pritsche ist es hart und kalt. Endlich fährt man mich ins Kellergeschoss zum Röntgen – nette Blicke,aber keine Verständigung mit Worten. Der Chirurg macht nach den ersten beiden Aufnahmen Daumen hoch und sagt erleichtert: no fraktura – und verlässt den Raum. Der Röntgenarzt fotografiert noch 6 Stellungen weiter. Auuutsch, auf der kaputten Seite habe ich ein großes Hämatom und kann nicht darauf liegen. Egal, Hauptsache keine Oberschenkelhalsbruch. Frohgemut bitte ich Frank im Warteraum oben, mir meinen Kleidersack zu geben, weil ich mich wieder anziehen möchte. No fraktura! Die Oberschwester, die etwas deutsch spricht, kommt nach ca 1 Std. und fragt, ob ich hier im Krankenhaus bleiben will oder lieber nach Hause möchte. Ist doch klar – natürlich nach Hause.

Gegen Mitternacht bringt mir jemand ein Handy und die deutschsprachige Oberschwester ist nur schwer zu verstehen. Die Verbindung ist ganz schlecht. Ich hätte mir etwas anderes gebrochen, und zwar das Becken. Wenn ich nicht unterschreibe, dass ich auf eigene Verantwortung das Krankenhaus verlasse, müsste ich mindestens 30 Tage hier liegen, evtl. sitzen. Ich frage, und wenn ich aufs Klo muss? Krücken … aber nur, um auf Toilette zu gehen. Sie sind alle sehr freundlich – ich bekomme noch eine Infusion mit Schmerzmitteln, eine Thrombosespritze in den Bauch und zwei Eisbeutel. Beim Entlassen frag ich nach den Krücken: „no, no, no crutches – you must lie.“ Na toll, und wie soll ich mich vorwärts bewegen?

Die Bluse für die Taufe ist nun sauber, aber ich werde sie nicht mehr brauchen.

Urlaubsende

Frank ist inzwischen zum Camp zurückgelaufen, um das Auto zu holen. Die Schranke bleibt nach 24 Uhr geschlossen und der Parkplatz versperrt. Glücklicherweise findet er den Nachtwächter und der holt mich dann mit dem platzeigenem Minibus ab.

Man sagt ja Frauen nach, dass sie multitasking-fähig wären. D.h. sie müssten einfach die Funktionsweise einer sensorgesteuerten Eingangsschranke, das Bremsverhalten eines Mountainbikes auf losem Untergrund und die geschwindigkeitsabhängigen Bewegungsvektoren bei Richtungsänderungen abschätzen und entsprechend reagieren können. Das ist Theorie, aber keine wissenschaftliche Erkenntnis. Fakt ist: Frauen sind unergründlich!

Der Rest ist schnell erzählt: Rückreise im Eiltempo – Zwischenstopp im Rosenheimer Kankenhaus zur Zweituntersuchung – Teilnahme an der Taufe des Enkelkindes (jetzt mit Rosenheimer Krücken) – am Sonntag: Heimfahrt. ( Anmerkungen des -jetzt geforderten- Ehemanns).

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