Korinth, CP Isthmia Beach

So. 26. Mai 19. Schon kurz vor 9 Uhr kommen die nächsten Camper, die auf unseren Stellplatz am „Sikia“ spekulieren, ausmessen und  sich gedanklich einrichten. Nur kein Stress!

Neues Ziel: Isthmia Beach Camping bei Korinth, N 37.88.941, E 23.00544.  400 km, mit WoWa knapp 6 Std.

Fahrt vom CP Sikia nach Korinth – Brücke zum Peloponnes

Heute fahren wir nach Korinth. Abfahrt 9:30, Ankunft 15:20. Die gut 400 km führen ab Volos fast durchgehend über gut ausgebaute Autobahnen. Am Straßenrand dichte Hecken mit goldgelbem Ginster und Oleander in verschiedenen Rosatönen, dazwischen sattgrüne Koniferen. Die ersten Gebührenhäuschen kassieren 3,10 + 8,70 Euro. Beim dritten erklärt uns eine freundliche Dame, dass heute wegen der Europawahl die Autobahn bis Athen nichts kostet. Nette Überraschung. Wir müssen zwar bei jedem der  sieben Kassenhäuschen anhalten, bekommen aber einen Beleg über 0.00 Euro und sparen ca. 40 Euro. Nach knapp 5 Std. stressfreier Fahrt erreichen wir

Camping Isthmia Beach

Der große Camping-Platz ist gärtnerisch gut gepflegt und liegt am Meer. Schöne große Plätze mit guter Zufahrt, passend gestutzte Hecken und Orangenbäumchen, viele Brunnen und Wasserstellen, einfache Chemie-Entsorgung.

Aber irgendetwas ist hier, was uns Unbehagen bringt. Ist es der „sozialistische“ Stil, der viele Rost, die zugenagelten Fenster einer Fassade, die dahinter mit Erdreich aufgeschüttet wurde? Oder ist es der mehrmals geflickte, hohe Maschendrahtzaun zum Meer, das verriegelte Tor, das nur mit dem richtigen Code zu öffnen ist? Oder ist es der Anblick der riesigen Öl-Raffinerie gegenüber und das ständige, unterschwellige Tuckern der Dieselmotoren großer Öltanker?

Die fünf  Sanitärhäuschen sind frisch geweißelt und stets sauber, wenn auch in die Jahre gekommen. Zwei davon enthalten WC und Dusche, zwei Häuschen mit Waschbottichen fürs Geschirr und Gefriertruhe, das fünfte hat Waschtische mit Riffeln zum Wäschewaschen. Längst vergangene Zeiten lassen grüßen.

Das Restaurant hat noch geschlossen, aber ein paar Meter weiter außerhalb des Campingplatzes gibt es eine sehr gute Taverne mit schönem Garten und traumhafter Aussicht über das Meer. So sind wir am Ende des Tages doch noch sehr zufrieden.

Isthmus von Korinth

Mo., 27. Mai 19. Unter diesem klangvollen Namen „Korinth“ hatte ich mir etwas altehrwürdiges, historisch wertvolles vorgestellt. Assoziationen an „die Briefe des Apostel Paulus 52 n Chr. an die Korinther“ oder auch blühende Gärten, in denen Trauben für die Korinthen heranwachsen. Man sagte uns schon, dass Korinth durch mehrere verheerende Erdbeben fast völlig zerstört wurde und keinen Besuch wert ist. Das Wasser im korinthischen Golf ist stark verschmutzt, man sollte hier nicht zum Baden gehen. Auch die paar Säulen und Steine von Alt-Korinth wären ohne Bedeutung, aber den Isthmus, den muss man gesehen haben.

Der Isthmus ist eine Landenge zur Halbinsel Peloponnes. In der Antike wurden hier Schiffe mit Schlitten herübergeschleppt, um die gefährliche Umfahrung des Peloponnes um Kap Malea zu vermeiden. Später hatte man es einfacher, indem 1881 bis 1893 ein Kanal angelegt wurde.

Zitat: „1944 sprengte die deutsche Wehrmacht einen Teil der Steilwand und alle Brücken über den Kanal. Um einen späteren Wiederaufbau zu erschweren, wurden zusätzlich Lokomotiven und Eisenbahnwagen in den Kanal geworfen und Minen platziert. Der Wiederaufbau wurde mit Hilfe des United States Army Corps of Engineers 1946 begonnen und bereits im November 1948 abgeschlossen. Es mussten mehrere hunderttausend Tonnen Geröll beseitigt werden.“

Wegen der Wassertiefe von etwa 8 m können nur kleinere Touristenschiffe passieren. Der Kanal ist 6,3 km lang, 24 m breit und etwa 21 m tief. Oben ist er ca. 75 m breit. 5 Brücken gehen über den Kanal, davon eine Eisenbahn- und eine Fußgängerbrücke.

Also gut, machen wir uns mit den E-Bikes auf den Weg zur 10 km entfernten Attraktion. Wir haben es wieder mal geschafft, den schlechtesten Tag von 10 hier in der Gegend zu erwischen. Die Straße nach Isthmia ist gut mit dem Radl zu befahren, da  breite Randstreifen für Radfahrer vorgesehen sind. Doch kurz vor dem Isthmus hebt das Verkehrschaos an. Alle paar Minuten hält irgendwo ein Bus und Touristen strömen auf einen der beiden Fußgängerwege neben der 4-spurigen Autostraße zum Knippsen. Beidseitig ein Pommes-Schnellimbiss nach dem anderen, lieblos, wie hingerotzt. Dazwischen Bauruinen, Autowerkstätten, Souvenierschrott, Müll und stinkende Kloaken – alles häßlich …

Ich mit meiner Angst vor hektischem Autoverkehr schiebe ich mein Rad über die Fußgängerbrücke. Frank mit seiner Höhenangst radelt auf der vierspurigen Autostraße über die Isthmus-Brücke und schaut nicht hinunter. Eigentlich wollte ich noch auf die Fußgängerbrücke, aber wir blasen das ab. Es regnet und die 4-spurige Straße ist für Fahrräder ungeeignet. Das Kapitel ist abgehakt.

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